Gedanken zu Problemen menschlicher Entwicklung (knapp zusammengefasst):
A. Probleme auf Micro- und Mezzo-Ebenen:
Grundwahrheit: Nichts – niemand – kann entwickelt werden. Alles entwickelt sich von innen und von unten.

  1. Zu wenig kennenlernen der realen Nöte.
    Hilfskonzepte werden immer noch zu weit entfernt von denen Menschen entwickelt, denen in der richtigen Theorie und in Proklamationen geholfen werden soll, sich selbst zu entwickeln.

  2. Falsche Entwicklungspartner.
    Staatliche "Donors" und die private Hilfsindustrie arbeiten vorzugsweise mit örtlichen Eliten zusammen, die selten wirklich am Schicksal der benachteiligten Bevölkerung interessiert sind.

  3. Überhöhte Personalkosten der Hilfsindustrie. Diese werden als "Projektkosten" deklariert und vernebeln so den wahren Verwaltungsaufwand. Zu wenig kommt wirklich "unten" an.

  4. Schwierige Kinder-Patenschaftsprogramme.
    Es ist kaum möglich, eine faire und gerechte Auswahl der Kinder zu treffen, denen mit Patenschaften geholfen werden soll. Paten legen Wert auf Förderung "ihres" Kindes. Andere Kinder gehen dabei leer aus. Oder aber, die Patenschafts-Organisation fördert ein ganzes Dorf, eine Schule oder dergleichen; dann ist die Werbung von Paten für ein Kind irreführend. Das Dilemma ist nur zu vermeiden, wenn Paten ehrlich informiert werden über die Verwendung ihrer Spenden für mehr als nur "ihr" Kind. Gute Organisationen sind sich des Dilemmas inzwischen bewusst und erklären ihren Spendern diese Notwendigkeit – aber weiterhin wird mit Fotos einzelner Kinder geworben.

B. Probleme auf Macro-Ebene (in Staaten und weltweit)
Grundwahrheit: Eine Treppe muss von oben gekehrt werden.
Nach den Subsidiaritätsprinzip müssen politische Rahmenbedingungen zunächst innerhalb von Staaten, dann in Regionen (wie Europa) und schließlich global geschaffen werden. Das erfordert verantwortungsbewusste Politiker, freie Presse, Einverständnis der öffentlichen Meinung, eine sich engagierende lernende Zivilgesellschaft, rechtlich verbindliche und durchsetzbare Regeln- und weniger Ego-Spiele.
  1. Ein Grundproblem hinter allen oben genannten Problemen:
    Es ist zweifelhaft, ob irgendein Hilfsprogramm, das sich in das tägliche Leben bedürftiger Menschen einmischt, wirklich gut ist für menschliche Entwicklung. Hilfsprogramme können selten die Gründe hinter Armut und Misere alleine heilen. Manche politische und strukturelle Probleme jenseits der Reichweite aller, auch "guter" Hilfsmaßnahmen können nur global gelöst werden. Was die wahre Entwicklung einer friedlichen, gerechten und nachhaltigen Welt letztlich verhindert oder zumindest bremst, ist egozentrisches Verhalten von Staaten und einzelner mächtiger Gruppen in diesen Staaten. Die Welt braucht eine gerechte, rechtsverbindliche und durchsetzbare globale Weltordnung.

  2. Ein konzeptionelles globales Problem:
    Global vereinbarte Problemlösungen passen nicht immer zusammen. Sie widersprechen sich teilweise (s. z.B. WTO / ILO). Mehr MITEINANDER würde bessere globale Strategien ermöglichen.
    Wenn die Menschheit in Freiheit überleben will, so müssen wir zunächst ein kosmisches Bewusstsein für Einheit in Vielfalt und dann eine rechtsverbindliche, durchsetzbare Weltordnung im Geiste der tätigen Liebe ("compassion") und Solidarität entwickeln. Inzwischen zu ruhen ist aber keine Alternative. Hilfe zur Selbsthilfe auf der Basis vorherigen Lernens ist DENNOCH notwendig zum Wenden von Not.


Lehrer und Lehrerinnen sind unterbewertet - auch in Deutschland - insbesondere jedoch in unserer EINEn Welt. Dort, wie z. B. in Haiti, gibt es viel zu wenig ausgebildete Lehrer.
Lehrerbildung hat in vielen sich entwickelnden Ländern keine hohe Priorität. Folglich leidet darunter auch die Wertschätzung für Lehrer. Schulbauten kann man sehen und fotografieren. Das macht Eindruck. Lehrerbildung ist nicht spektakulär - und folglich auch unterbewertet.

Obwohl jedermann zu wissen scheint, dass Bildung - insbesondere früh beginnende, gute Grundbildung -Voraussetzung ist für ein erfülltes Leben wie auch für das Gedeihen von Staaten, bestehen in Deutschland unsinnige BMZ-amtliche Leitlinien für die Förderung von Kindern mit Konsequenzen in Notsituationen wie z. B. nach dem Erdbeben in Haiti in 2010:

Hilfe für Kinder muss direkt Kindern dienen! Soweit so gut. - Nur, was ist direkt? - Natürlich nutzen alle Basishilfen wie Ernährung, Gesundheit und Schutz Kindern direkt. Auch Schulen! Das ist richtig, denn auch Bildung ist ein Grundrecht und ein "basic need". Was sollen aber Schulen ohne Lehrer? Wo es - wie in Haiti - kaum ausgebildete Lehrkräfte gibt, ist das bloße Hinstellen eines Schulgebäudes ohne sich darüber im Klaren zu sein, wie dort die Lehrer-Situation aussieht, keine wirklich wirksame Hilfe.

In unserem Versuch, öffentliche Co-Finanzierung für unsere durch das Erdbeben unterbrochene LehrerInnen-Ausbildung zu erhalten, wurde mir klar beschieden: Ja, Schulen dienen Kindern direkt, Lehrer-Ausbildung jedoch nicht. Diese sei zwar lobenswert, diene aber Kindern eben nicht direkt. Folglich: Keine Finanzierung.

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